Für 35 Euro durch ganz Deutschland. Klingt verlockend, dann heißt das Ganze noch Schöner Wochenend-Ticket. Wow, für 35 Euro ein Schönes Wochenende gekauft. Na, wenn das nichts ist.
Aber ist es wirklich so einfach sich ein schönes Wochenende zu kaufen? Ist das Wochenende nicht perse schon schön, weil man nicht arbeiten muß (bis auf einige Ausnahmen), bis in die Nacht feiern oder fernsehen kann, ohne am nächsten Morgen durch die synthetischen Klänge einer Handymelodie aus dem Schönheitsschlaf gerissen zu werden? Moment. Um mit dem „schöner Wochenend-Ticket“ durch ganz Deutschland zu reisen, bleibt einem nur ein Tag Zeit und wenn man ausschlafen möchte, schafft man es womöglich nur bis zum nächstgelegenen ICE Bahnhof. Den wiederum darf man nicht benutzen, also den ICE. Mmmhhh…also ist nach der DB ein schönes Wochenende, eins ohne den schicken Schnellzug. Wahrscheinlich, weil der so unheimlich schnell fährt und schnell ist ja Stress. Kann man nicht gebrauchen an einem schönen Wochenende.
Dafür darf man jegliche Art von Bummelzug nutzen und einsteigen wann, wo und wohin man will oder auch nicht will. Man kann seine Geographiekenntnisse auffrischen und später im Google-Maps genau nachvollziehen, welche Strecke man gefahren worden ist, wenn man beim akribischen Aufzeichnen der Haltestationen nicht von den anderen Fahrgästen abgelenkt wird, die versuchen Ihren Monsterkoffer durch den engen Gang des Fahrgastraumes zu quetschen und dabei immer mal gerne die ein oder andere Kniescheibe mit einer Zielscheibe verwechseln. Gerade hat man herausgefunden, wie man einigermaßen bequem sitzt und sein Knie aus der Schuss- nein Kofferlinie hält, heißt es Umsteigen. Die Zeit ist knapp, der Bahnsteig mit 50%iger Sicherheit geändert worden und das Bahnhofsklo verlangt besichtigt zu werden. Das kostet übrigens fast überall nun 50ct, belohnt einen aber mindestens mit einigermaßen sauberen, stillen Örtchen.
Apropos Ruhe. Allein dafür lohnt es sich 50ct zu zahlen, nach all den unheimlich interessanten Gesprächsfetzen, die einem im Zug an die Ohren gehängt werden. Da quieken die Handys den letzten Schrei aus den Klingeltoncharts und eine Gruppe der „unteren Bevölkerungsschicht“ (O-Ton des Zugführers, nachdem die Jungs den Zug verlassen mussten) beweist mit Gegröle und steigendem Alkoholpegel genau diese Einschätzung. Da kann selbst der auf volle Lautstärke gedrehte IPod nichts mehr ausrichten. Wenn man dann endlich zur Ruhe gekommen ist, die Augen entspannt zufallen und das Außen nur noch wie ein Nachtprogramm im Fernsehen vor sich hin plätschert, heißt es: “IHRE FAHRKARTEN BITTE“ und das schöne Wochenende hat einen wieder.
Spätestens jetzt bemerkt man, nicht allein zu sein, da 90% in Ihren Hosentaschen, Rucksäcken oder Reisetaschen nach einem kleinen Stück Papier fahnden, was Sie in froher Erwartung auf ein „Schönes Wochenende“ heute früh aus irgendeinem einsamen Automaten für lächerliche 35 Euro gezogen haben. Ob Ihres wohl genauso schön ist, wie meins?