Der Weg von der Ziegenfarm zur nächsten Übernachtung war heute der Cabot Trail Scenic Drive. Unzählige Fotostopps, ein herrlicher Sandstrand, leckeres Essen, raue Küste und kleine Spaziergänge füllten unseren Tag.






Unmöglich alles zu verarbeiten und diese Weiten irgendwie zu begreifen. Das Rauschen der Wellen, der Nadelduft des Waldes, das Flimmern der Hitze auf der Straße, das kreischen der Möwen oder das klappern der Steine am Strand, wenn die Welle zurück ins Meer zieht.

Das kleine blaue Haus, in dem wir heute nächtigen würden, erreichten wir gegen 16:45 Uhr. Alles da, was man braucht, neuer Herd, Glasfaseranschluss, Geschirrspüler, fetter Kühlschrank, Waschmaschine, Trockner und Klimaanlage.

Das übliche Procedere, alle möglichen – mittlerweile angesammelten – Beutel mit Lebensmitteln, Wäsche, Technikkram, Kühlbox in die Bude räumen. E hatte auch das Wifi Passwort schon entdeckt und versuchte irgendwie den Kontakt zum Internet herzustellen. Wir räumten Kühlschrank und Waschmaschine ein. Das die Kühlschränke hier kein Licht haben, hatten wir schon öfter.

Als ich dann dann schaute, warum E so zeterte und nicht ins WLAN kam, stellte ich fest, das Netz wurde gar nicht angezeigt. Sie hatte es schon manuell eingegeben, aber da passierte nichts. Mmhhh…Licht ging auch nicht, keinerlei Lämpchen blinken am Router, der Herd zeigt keine Uhrzeit, die Klimaanlage läuft nicht (sonst sind die Butzen hier immer auf 18 Grad gekühlt, wenn eine vorhanden ist). Kein Strom, wir hatten keinen Strom.

Also den Sicherungskasten suchen und nachschauen. Der war schnell gefunden, aber da war alles in Ordnung. Ich hatte ja auch Internet mit meiner E-SIM und versuchte über Airbnb die Vermieter zu erreichen. Es zeigte LTE Empfang an, aber nicht ein klitzekleines Bit erreichte mich. Die Nachbarn fragen – tatsächlich hatten wir hier welche – schien uns die letzte Möglichkeit. Also pilgerten J und ich den Waldweg vor zur Straße und den nächsten ins Nachbargrundstück wieder ein.

Ohne den bereits erwarteten obligatorischen Hund am Bein erreichten wir das Wohnhaus. noch ehe wir überlegen konnten, wie wir uns aufmerksam machen – Klingeln habe ich hier noch nie gesehen – kam auch schon eine Frau mit Kind auf die Terrasse und fragte ob sie helfen kann.

Konnte sie, naja oder auch nicht. Wir erfuhren das ganz Cape Breton gerade stromlos war. Das erklärte auch die geschlossene Tankstelle unten im Ort, die wir eigentlich gern bei der Ankunft hier in Chéticamp genutzt hätten, da die schwarze Rakete heute ziemlich viel Treibstoff verbrannt hat. Auch warum der Nachbar zur anderen Seite völlig unsichtbar Rasen mähte, war jetzt klar. Da läuft ein Notstromaggregat.

Wir waren also nicht allein mit unserem Problem. Sie bot uns netterweise noch an, ihren Gasgrill zu nutzen, was wir dankend ablehnten, da auch das blaue Haus mit einem Grill ausgestattet war.
Was macht man also, wenn man keinen Strom hat? Erstmal natürlich die noch aus der Kühlbox kalten Biere „retten“. Dann möglichst alle Töpfe mit Wasser füllen, solange noch was läuft, was nicht allzu lange war.

Vorräte hatten wir zum Glück genug und auch der Gasgrill funktionierte.

Wir fanden sogar ein paar Teelichte, allerdings nichts zum anzünden. Das müsste dann auch der Grill mit Selbstzünder erledigen.
Nach dem Sonnenuntergang sind wir einfach direkt ins Bett und hofften, das unsere Welt morgen schon besser und elektrifizierter ausschauen würde.
Circa 22:00 Uhr wurden wir unsanft aus unseren begonnenen Träumen geweckt. Plötzlich war die komplette Bude hell erleuchtet, der Kühlschrank begann zu brummeln und die Klimaanlage verursachte orkanartige Böen. Nachdem alles ausgeschaltet war, konnten wir mit einer gewissen Erleichterung wieder unter die Bettdecken kriechen.