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Auf dem Highway ist die Hölle los

Nein, nicht wirklich, aber da hier vor unserem netten, kleinen Häuschen – vor welchem ich sitze und diesen Eintrag verfasse – gerade die Straße unten gut durch ein stetes Rauschen zu vernehmen ist, dachte ich mir passt das schon.

Blick durch unsere Haustür

Heute war mal ein fauler Tag, großteils der noch andauernden Hitze und einer etwas schlecht durchschlafenen Nacht geschuldet. Wir sind spät los, die Abfahrt hier die Kiesrampe runter war anspruchsvoller als gedacht. Man kann nämlich nicht in den ersten Gang schalten und runter kullern, es gibt nur noch „D“ und die Schaltwippen reagieren erst ab 6mph, eine unmöglich erreichbare Geschwindigkeit für den Platz hier vor dem Haus.

Pro-tipp: Zahnseide ist ne stabile Wäscheleine

Als das geschafft war, haben einen sehr übersichtlichen Farmers Market besucht, 3min den oben erwähnten Highway runter. Haben dort aber alles bekommen, was man für ein Abendessen benötigt. Wir haben geräucherten Lachs bei zwei wirklich sehr netten native Americans (Indianer sagt ja keiner mehr) gekauft, Microgreens (so ne Art Sprossen) und ein Sourdough Baguette. E. durfe ein Bild gestalten am Bastelstand, der auf den Märkten meist von sehr netten, älteren und plauderfreudigen Damen betreut wird.

Kleiner Markt, immer mit Liveband aus betagten Herren die sichtlich Spaß haben zu Klampfen

Danach – zigzag (insider) – weitere 5min den Highway bergabwärts gabs eine Wildwood Recreation Site im Wald. Schön schattig und einen kleinen Spaziergang wert. Es führten immer so kleinere Weg weg vom Wanderweg auf gut ausgestattete Picknickplätze, die von den Einheimischen exzessiv genutzt wurden. Unglaublich was da alles in den Wald geschleppt wird, andererseits draußen ist eben draußen.

Platz 42, noch Fragen?
Salmon River unterhalb des Mount Hood
Einblicke in einen kleinen Bach mit winzigen Lachsen

Ein Boardwalk durch eine Sumpflandschaft war auch dabei, wurde allerdings am Eingang mit der Warnung, dass hier in den letzten 6 Tagen ein Puma gesehen wurde, zu einem Abenteuer. Zumindest im Kopf, der war natürlich längst weg. Trotzdem haben wir uns unauffällig einer anderen Wandergruppe angeschlossen, damit wir nicht zu dritt „allein“ laufen.

Neben Nikes & Adidas treibt sich wohl auch ein Puma hier rum

Mittag gabs Pizza bei einem Italiener mit Holzofen. Wirklich gut, im Vergleich zu dem was hier sonst als Pizza durchgeht.

Man bekommt ein 16 Zoll Wagenrad und alle essen davon

Den späten Nachmittag verbrachten wir im Häuschen. Unser Abendessen konnte locker mit einem Schicki-Micki Restaurant mithalten.

Geräucherter Lachs an bunten Bratkartoffelscheiben mit Sonnenblumensprossen

It’s a long way to the top…

Wir ließen das Farmland und -haus hinter uns und keine 10min später standen wir mitten im Smith Rock State Park.

Smith Rock State Park
Unterwegs: Wohnwagen Kingsize

„Schmidts Felsen“ ist ein imposantes Gebilde, was mir noch allzu gut aus dem Jahr 2008 in Erinnerung war. Damals kamen wir hier am späten Nachmittag an und machten uns auf eine Wanderung, die uns einiges abverlangte und bei der wir zudem noch gegen die Zeit liefen, da es dunkel wurde.

Amerikanische Pinnwand

Diesmal waren wir gegen 9:00 Uhr da, der Parkplatz war richtig gut gefüllt und wir entschieden, diesmal direkt den Aufstieg (damals war es der Abstieg) zu wählen. Dieser war sehr gut besonnt und unsere Wasservorräte „verdunsteten“ rapide schnell.

Zick Zack Grillstrecke

Jedes Schattenplätzchen war übervölkert und die Verschnaufpausen-Intervalle wurden kürzer. Bis ganz nach oben haben wir es dann nicht geschafft, es war einfach zu heiß und wir sahen schon aus wie drei sonnengereifte Tomaten. Wir waren aber verdammt nah dran.

Blick auf das Erreichte

Also geordneter Rückzug und den steilen Weg wieder nach unten. Der trockene Staub legte sich sanft auf die mit Sonnencreme und Schweiß überzogenen Körperteile. Zurück im Tal freuten wir uns wie Schnitzel (wir waren tatsächlich paniert) über den Rasensprenger der hier installiert war, rhythmisch tanzte und für Abkühlung sorgte. Nun noch den letzten Aufstieg hoch zum Parkplatz und auch dieses Abenteuer neigte sich dem Ende.

Zuckender Freund

Eine sehr coole Funktion unseres treuen vierrädrigen Koreaners ist der Fernstart, da startet der Wagen und die Klima kühlt schonmal runter, während man über den endlosen Parkplatz pilgert. Ansonsten ist das Öffnen der Autotür gerade vergleichbar mit dem Öffnen eines Backofens.

Ungünstiger Parkplatz
Laaange Straße

Jetzt waren wir hungrig und den Burger des Tages gabs 45min später im Dockside Café am gestauten Lake Simtustus.

Das Grillboot sah verlockend aus
Smash Burger am See

Zurück on the road hatten wir noch bissl Zeit totzuschlagen, da unsere Unterkunft erst gegen 16:00 Uhr ihre Pforten für uns öffnen würde. Was bot sich da besser an, als ein gut klimatisiertes Museum der Warm Springs Indian Reservation. Immer wieder eine traurige Geschichte, was hier aus den stolzen Stämmen geworden ist. Zudem gab es eine ziemlich beklemmende Ausstellung mit Bildern verschwundener Personen.

Ziemlich beeindruckender Baustil
Eine Seite das Museum, andere Seite das allgegenwärtige Casino das hier nur die Indianer in ihren Reservaten betreiben dürfen

Vorbei am Mount Hood ging es dann zu unserem Häuschen für zwei Nächte. Die Anfahrt war als nicht für 2-Wheel-Drive geeignet gekennzeichnet. Dank HTrac – Allrad bei Hyundai – sind wir den wirklich steilen Schotterweg vom Typ senkrechter Raketenstart gut raufgekommen.

Freu mich schon auf den Weg nach unten morgen
Diesmal klein und schick

Unsere kleine Farm

Nun fragt ihr euch sicher, was ist denn heute hier in Oregon mit uns passiert?

Wir zogen mal wieder weiter, verließen unser geliebtes Bunkhouse auf der Farm im Wald, E. sagte ihren geliebten Huftieren „good bye!“ und wir donnerten am Ende den Highway 97 gen Norden.

Charakter Tür
Mach’s gut Roger

Damit wir erstmal bissl Bewegung hatten und die Zeit bis zur Öffnung von Beckies Café überbrücken konnten, haben wir nen kleinen Spaziergang zu den Natural Bridges unternommen. Hier fließt das Wasser durch unterirdische Tunnel, die hier die erkaltete Lava hinterlassen hat. Bei warmen Temperaturen schaut man immer so sehnsüchtig auf dieses kühle Nass.

Erfrischend schon beim zuschauen
Netter Kleinwagen

Danach waren wir pünktlich im Café, welches wir gestern schon ins Auge gefasst hatten und uns auch von den Farmbesitzern empfohlen wurde. Die Temperatur im Café hatte Kühlschrankniveau, da muss das Essen ja frisch sein. Das war wirklich sehr gut und die Lokalität zum Mittag voll. Klar, 4. Juli in Amerika, da geht man schick essen und trägt Stars and Stripes.

Mal was Gesundes

Mit gefüllten Mägen lag nun eine nicht unerhebliche Strecke vor uns, die erst im Städtchen Bend durch eine lange Pause unterbrochen wurde. Safeway, Outlet und Old Mill District nagten mal wieder an der Kreditkarte. Ne Kugel Eis für 7 Dollar ist schon ne Ansage, aber das geht zum Glück in der Gesamtkalkulation dieses Abenteuers unter.

Im Zweifelsfall immer geradeaus
Wo geht’s hier zum Eis?
Dreimaster

Eine halbe Stunde nördlich von Bend liegt unsere heutige Unterkunft. Diesmal „nur“ ein Zimmer auf einer Farm. Küche und Bad teilen wir uns mit den Eigentümern…dachten wir jedenfalls. Die sind aber gar nicht da und jetzt haben wir quasi eine Farm für uns. „Mit großer Farm, kommt große Verantwortung.“

Farmidable!

Abgefahren, da ist die Tür einfach offen und wir gehen rein und wohnen da. In Deutschland unvorstellbar, aber hier in der Weite und mit aufmerksamen, freundlichen Nachbarn kein Problem.

So jetzt steht ein kleiner Farm Rundgang an. Vorher noch fix die kurze gegen die lange Hose getauscht, da diese Mückenviecher hier meine bleichen Waden in Streuselkuchen verwandeln möchten.

Mr. Spuck
Darf natürlich nicht fehlen
Mäh.
Perfect der Pickup ist auch schon eingeparkt.

General Store

Nachdem uns heute früh das Housekeeping gleich zweimal innerhalb einer halbe Stunde zu verstehen gegeben hat, das „check out at 11am“ eher die absolute Obergrenze ist und in dem Motel am Highway nach 6:00 Uhr sowieso keiner mehr schläft, haben wir dann irgendwie gestresst unsere Sachen gepackt. Wir fühlten uns schon nach einer Nacht wie Otto Waalkes‘ Frau Surbier.

Endlich kann die motivierte Putzdame unser Zimmer aufräumen

Gestern wurden uns die Gallonen kontinuierlich aus dem Tank gesaugt, dafür war heute nur eine überschaubare Strecke zu absolvieren. Das Wetter fasse ich mal mit einem „Uff“ zusammen. Ein frühes und sehr leckeres Mittag gabs im Sugar Pine Company Café in Butte Falls.

Burger Brunch
Absolute Empfehlung in Butte Falls

Kleines amerikanisches Örtchen, wie man es sich so vorstellt, hier mal wieder ein Tipp: Einfach mal ein paar Runden um die Blocks fahren, also abseits der Main Road. Da steht dann oft ein schickes, gepflegtes Häuschen mit chromblitzenden Pickup direkt neben einer Bruchbude mit Privat-Schrottplatz davor. Was hier auch alles für alte Blech-Schätzchen stehen.

Der schafft die 88mph sicher nicht mehr

In der Nähe von Prospect, sind wir dann etwas durch den Wald spaziert zu hohen Wasserfällen (Mill Creek) und großen Felsen.

Man möchte da rein springen
Beim Eintauchen dampfte und zischte es kurz 😉
Gar nicht so kalt im Wald

Danach war uns – trotz Fußbad im Rogue River – heiß und wir besuchten den General Store um uns ein Eis zu kaufen. Das haben wir dann direkt vorm selbigen vertilgt und das bunte Publikum, was hier ein und aus ging beobachtet. Allein aus den 15min dort hätte man alle Charaktere für einen Quentin Tarantino Blockbuster zusammen gehabt.

Am Ende wurde es uns aber doch zuuu bunt und vor allem die Hunde schauten immer unfreundlicher, das wir uns trollten und Richtung nächster Unterkunft aufmachten.

Gemütliches Fleckchen

Die ist mal wieder so richtig zum wohlfühlen. Abgelegen oben im Wald an einer Ranch, mit Pferden vor der Haustür und ein Ort um mal alle viere gerade sein zu lassen. Da genießen wir jetzt standesgemäß ein Feierabend Bierchen aus dem General Store.

Séparée mit Himmelbett für E.
Blick von der Terrasse
Betagtes Pferd des Hauses (Cheyenne 32y)

Driving down the 101

Heute Früh hieß es Abschied nehmen von unseren geliebten Haus im Wald. Wir hatten uns sehr gut eingelebt und es brauchte eine Weile, die letzten Spuren unserer Anwesenheit zu verwischen, die Klamotten wieder zu packen und schweren Herzens die Tür hinter uns zu schließen.

Wenn sich eine Tür schließt…

Vorher war noch ein Teil der Elektrik in der Küche ausgefallen und ich konnte mich – nach Rücksprache mit den Besitzern – etwas am Sicherungskasten austoben. I fixed it.

Dann ging’s endlich los auf einen Roadtrip Richtung Süden auf dem Highway 101 mit mehreren Zwischenstopps. Das Wetter war von grau und ungemütlich zu blauer Himmel mit Sonne gewechselt.

Sonntagsfahrer

Wir verließen den Bundesstaat Washington und erreichten nach ca. 3h das Städtchen Astoria an der Mündung des Columbia River. Um über den Fluss zu kommen, fährt man über eine beeindruckende 6km lange Brücke.

Astoria-Megler Bridge

Nachdem wir in Astoria auf die 38m hohe Säule oben auf dem Berg, über eine im Bauch derselben installierte Wendeltreppe geklettert waren, wurden wir mit einen phänomenalen Ausblick belohnt.

Astoria an Columbia River mit Wolkensoufflé

Zum Mittag gabs Fish & Chips aus einem trocken gelegten Boot nahe des Flusses. Eine absolute Offenbarung nach dem Desaster in der Lodge gestern. Das Zeug war so lecker und wir hatten zum Glück noch eine Handvoll Dollar, das es dafür reichte. Nicht überall ist die Plastikkarte King. Also gleich mal den nächsten ATM angesteuert und ein paar grüne Scheinchen ausspucken lassen. Da es an jeder Ecke Foodtrucks gibt, ist es sicher kein schlechter Plan, hier jeden Zahlungsweg beschreiten zu können.

Streetfood Umschlagplatz

Gut gestärkt ging’s zum ersten Statepark, den kleineren aber nicht weniger schönen Geschwistern der Nationalparks. Tipp für Oregon: Kauft euch den 5 days vehicle passport für schlappe 10$, damit dürft ihr in vielen Parks kostenlos parken. Im Fort Stevens State Park angekommen, entschieden wir uns, dass alte Schiffswrack am Stand anzusteuern.

Rostiger Stahl der wohl mal ein Schiff war

Das Wrack an sich war weniger spektakulär, aber E. konnte sich am Strand mal austoben und die Füße vom Pazifik umspülen lassen. Es sollte heute nicht bei einem Strand bleiben, fahren wir doch den Küstenhighway 101 gen Süden.

Großes Kneipp Becken
Oregon Coast Line
Letzter Strand des Tages

Ziemlich spät erreichten wir unser heutiges Nachtlager, wohl auch, um die vermeintlich anstehende Enttäuschung beim Vergleich zur letzten Unterkunft so lange wie möglich herauszuzögern.