Tagesarchiv: 8. Juli 2025

Menschen, Tiere, Attraktionen

Das ist das Island, wie wir uns das vorgestellt haben. Nebel, Nieselregen und stoisch diesem Wetter trotzende Pferde.

Schlechtes Wetter? Hast Du ne Ahnung.

Beim Start unserer heutigen Tour Richtung Golden Circle und einigen anderen kleinen Spots erhielt ich eine SMS (!), das mein Gepäck da ist und jetzt für die Lieferung vorbereitet wird.

Dabei hatte ich auf der Claim Website gestern schon eingestellt, ich hole es am Flughafen ab, da ich mir nicht vorstellen konnte, das sie uns wirklich hier draußen finden bzw. wir ja nicht in der Hütte warten würden. Antwort auf die SMS wurde mit Fehlermeldung abgebrochen. Der Claim existierte auch nicht mehr und machte eine Anmeldung unmöglich. Also fix auf die letzte Mail von Iceland Air geantwortet und um Rückruf gebeten. Leider beim Fahren den Anruf verpasst, jedoch konnte ich in einer eingetroffenen Mail einen Termin zur Abholung buchen. Morgen 14;00 am Flughafen ist Showdown.

Mit gut ausgelasteten Scheibenwischern ging es zum ersten Ziel unserer Tagestour.

Brúarhlöð, eine Schlucht mit Gletscherwasser

Und wieder die obligatorischen Parkgebühren, aber wenig Autos und nicht überlaufen. Also die Regenklamotten an und los, ach stopp, die sind ja noch im abtrünnigen Koffer. Muss es halt so gehen. Ging auch ca. 5min gut, bis der Nieselregen einmal komplett seine Arbeit verrichte hatte.

„Eingenässt“

Also die Klamotten danach strategisch im Auto verteilt und die Lüftung auf MAX. Selbst Js Sachen, sie hatte eindeutig die bessere Ausrüstung, waren durch.

Kurz überlegt, ob jetzt nicht heiße Quellen gut wären, dann festgestellt, dass die Badeklamotten nicht dabei waren. Weiter ging’s zum Gullfoss der ersten Attraktion des Golden Circle. Da war es schon sehr belebt, nichtsdestotrotz haben wir den kurzen Weg zum Wasserfall angetreten, um ihn mal im aufgetauten Zustand zu sehen.

Der Gullfoss mit Schaulustigen
Wasser, das von oben fällt

Hier gibt es auch mittlerweile einen großen Souvenirladen, den wir gleichzeitig als Trockenkammer nutzten, bis die Busse kamen. Mir schwante für den nächsten Golden Circle Stopp, dem Strokkur Geysir schon schlimmes.

Tatsächlich waren dort die Busse schon eingefallen und man sah nur noch Menschen, was uns einstimmig dazu veranlasste, diese Attraktion einfach auszulassen. Ist meist ja eh nicht mehr, als heiße Luft.

Was war es damals 2011 noch leer hier, vor allem der Golden Circle ist sowas von überlaufen. Ich hatte schon viele Menschen erwartet, allerdings nicht so viele. Weiter im Programm ging’s dann zum Faxafoss, einem Wasserfall mit Lachstreppe, den wir nur mit etwa sieben weiteren Besuchern teilen mussten. Leider hatten die Lachse gerade keine Lust zum Treppensteigen.

Faxafoss Idyll
Wasserfall fast in Alleinlage

Zum zweiten Mal vom Regen durchsiebt, entschlossen wir uns zur Rückfahrt, mit einem Umweg über Selfoss, da E jetzt auch gerne noch einen Hoodie mit Nutztiermotiv haben wollte. Leider gabs keine Größe S und alles andere wäre für sie eher ein Zelt, als eine Klamotte.

Auf dem Weg kamen wir noch an einem Vulkankrater (Kerið) vorbei, den wir bei schönem Wetter am Sonntag ausgelassen hatten, da es uns zu voll war. In Relation zu heute beobachteten Besucherzahlen, war das lächerlich. Der Regen pausierte gerade und gab uns die Gelegenheit mal schnell einmal um den Krater zu laufen.

Krat(er)wanderung
Rollin‘ home

Bevor wir sicher und wie ein guter, süffiger Weißwein, nämlich halbtrocken in unserer Hütte ankamen, galt es noch eine Familienzusammenführung zu organisieren.

Die frischen Adleraugen von E hatten beim vorbeifahren ein von der Stute getrenntes Fohlen erspäht. Es stand auf der anderen Seite des Zaunes und kam nicht zurück.

Inspektor E sagt hier stimmt was nicht

Die Ranch auf der wir am Sonntag den Ausritt hatten, lag ganz in der Nähe. Dort sind wir kurzerhand auf den Hof gefahren, wurden aber gleich von zwei aufmerksamen Hofhunden gestellt und entschlossen uns daher nicht auszusteigen, sondern per Anruf auf die missliche Lage des kleinen Fohlens aufmerksam zu machen. Das wurde dankbar angenommen und wir konnten später mit dem Fernglas beobachten, wie die beiden Pferde wieder vereint wurden.

Es hat sich was getan

…hier in Island, seitdem wir im März 2011 hier waren. Zunächst ist wohl der ganze Schnee im Flachland geschmolzen. Gut, das soll im Sommer vorkommen. Doch auch ist die Touristendichte beachtlich gestiegen. Gut, auch das soll im Sommer vorkommen. Jede Attraktion hat mittlerweile einen eigenen befestigten Parkplatz und man kommt um ca. 10 EUR Parkgebühr-Eintritt nicht rum.

Was soll’s schön war’s trotzdem an der ersten Attraktion des Tages, dem Skógafoss links neben der Ringstrasse, wenn man von Reykjavik kommt.

Beeindruckend. Auch die vielen Menschen am Fuße des Wasserfalls
Und das ganze in der Draufsicht

Neu für uns war die Aussichtsplattform über dem Wasserfall, die man über ziemlich rostige Stufen erklimmen konnte. Scheinbar sooo neu nun auch nicht. Der Topf mit Gold am Ende des Dauerregenbogens (Sonne vorausgesetzt) bestand hier eher aus Touristen, die brav ihre Parkgebühr bezahlt hatten. Also irgendwie schon passend aus Isländer Sicht.

Urlaub. Einfach mal runter kommen

Bevor wir uns weiter Richtung Osten nach Vik machten, gab’s noch eine Stärkung bei Mia’s Country Van – Local Fish & Chips.

Noch gar nicht richtig offen, schon stehen mehrere knurrende Mägen davor

Wir sind nun schon zwei Tage hier, aber ich zucke immer noch, wenn die DKB den Betrag in EUR aufs Handy schickt, was ich da gerade bezahlt habe. Zwei mal (wirklich sehr gute) Fish and Chips, ka-ching 50 EUR.

Echt fett

Da bleiben wir mal lieber beim shoppen im Supermarkt, die haben auch schweinisch gute Klamotten da. Ok, wusstet ihr schon.

In Vik lungerten wir dann bissl am schwarzen Strand herum. Das Wetter war bisher so gar nicht isländisch, das sollte sich jedoch bald ändern.

Strand mit Pferdeschau
Moment mal, eben war doch noch blauer Himmel

Nach einem kurzen Stopp im örtlichen Brauhaus, allerdings nur um Merch und Bierdosen zu kaufen (die Fish und Chips hingen noch im Verdauungstrakt fest) hat sich mein T-Shirt-Bestand wieder um eins erhöht. Nein, kein Schwein drauf.

Zwei Dosen feinste Braukunst zum Preis eines ganzen Kastens in Deutschland

Danach noch mitten rein ins Tourigetümmel und in den Shop von dem All-4-One schon 1994 sangen „Icewear“ (by the Moon and the Stars in the sky). 🙂

Gut sortiert mit Souvenir Nippes und Klamotten. Aber irgendwie nicht mein Stil, nichts mit Schwein drauf.

Im Ernst jetzt?

Was ich irgendwie ganz cool fand, dass dieses Minishopping Center vor dem Supermarkt Mikrowellen zur Verfügung stellte. Die waren auch gut besucht.

Mal schnell was Leckeres zaubern ohne den Dispo zu belasten

Zurück Im vibrierenden Dacia sind wir dann auf den Hügel mit der bekannten kleinen Kirche gefahren.

Blick vom Friedhof, stehend

Dann stand die letzte Challenge an, wir wollten gern Papageientaucher sehen. das sind nicht etwa bunt gekleidete Froschmänner, die einem alles nachplappern, sondern diese putzigen kleinen Vögel, die am Abend in ihre kleinen Höhlen zurückkehren. Und tatsächlich konnten wir einige sehen, die aufgeregt durch die Luft flatterten und ziemlich tapsig vor oder in ihrem Loch im Felsen landeten.

J. war ganz nah dran

Mittlerweile war es allerdings so frisch geworden, das mein knuffiger Hoodie mit rosa Tiermotiv zum Einsatz kam. Perfekt.

Später begann es noch zu regnen und der Wind riss erbarmungslos an den Autotüren beim Tanken. Da ist hier immer Vorsicht geboten, da gibt sogar eine extra Versicherung dafür und jede Tür hat innen einen passenden Warnhinweis. Wir waren jedenfalls froh alsbald in unserer warmen kleinen Bude zurück zu sein.

Das erste Mal eine nasse Terasse
Soup of the day

Moment mal, da drüben steht doch noch ein Elefant im Raum! Oder ist es ein Koffer?

Nein, ist es nicht. Bevor die Tagestour begann, hab ich gefühlt mit jedem telefoniert, der irgendwas mit Gepäcklogistik am BER zu tun hat. Am Ende konnte ich die Wartemusik auswendig und erwischte mich beim mitsingen. Hat es was gebracht, wahrscheinlich nicht. Mir gab’s ein gutes Gefühl, nichts unversucht zu lassen.

Zumindest weiß ich jetzt, wer alles nicht zuständig ist, aber trotzdem zumindest Leserechte im System hat. Alle echten Menschen am Telefon waren sehr nett und ich erfuhr, das mein Koffer gefunden wurde und zwar in Bergen. Norwegen nehme ich an und nicht in einem Haufen verlorenen Koffern die sich auftürmen. Gefunden! Yeah!

Am Nachmittag kam auch die Info von Iceland Air, dass meine Urlaubstrikotage morgen früh hier am Flughafen ankommt und sie sich melden, wie es weitergeht. Mit dieser – nicht auszuhaltenden – Anspannung gehe ich jetzt mal schlafen.

Schuh Garten