Es hat sich was getan

…hier in Island, seitdem wir im März 2011 hier waren. Zunächst ist wohl der ganze Schnee im Flachland geschmolzen. Gut, das soll im Sommer vorkommen. Doch auch ist die Touristendichte beachtlich gestiegen. Gut, auch das soll im Sommer vorkommen. Jede Attraktion hat mittlerweile einen eigenen befestigten Parkplatz und man kommt um ca. 10 EUR Parkgebühr-Eintritt nicht rum.

Was soll’s schön war’s trotzdem an der ersten Attraktion des Tages, dem Skógafoss links neben der Ringstrasse, wenn man von Reykjavik kommt.

Beeindruckend. Auch die vielen Menschen am Fuße des Wasserfalls
Und das ganze in der Draufsicht

Neu für uns war die Aussichtsplattform über dem Wasserfall, die man über ziemlich rostige Stufen erklimmen konnte. Scheinbar sooo neu nun auch nicht. Der Topf mit Gold am Ende des Dauerregenbogens (Sonne vorausgesetzt) bestand hier eher aus Touristen, die brav ihre Parkgebühr bezahlt hatten. Also irgendwie schon passend aus Isländer Sicht.

Urlaub. Einfach mal runter kommen

Bevor wir uns weiter Richtung Osten nach Vik machten, gab’s noch eine Stärkung bei Mia’s Country Van – Local Fish & Chips.

Noch gar nicht richtig offen, schon stehen mehrere knurrende Mägen davor

Wir sind nun schon zwei Tage hier, aber ich zucke immer noch, wenn die DKB den Betrag in EUR aufs Handy schickt, was ich da gerade bezahlt habe. Zwei mal (wirklich sehr gute) Fish and Chips, ka-ching 50 EUR.

Echt fett

Da bleiben wir mal lieber beim shoppen im Supermarkt, die haben auch schweinisch gute Klamotten da. Ok, wusstet ihr schon.

In Vik lungerten wir dann bissl am schwarzen Strand herum. Das Wetter war bisher so gar nicht isländisch, das sollte sich jedoch bald ändern.

Strand mit Pferdeschau
Moment mal, eben war doch noch blauer Himmel

Nach einem kurzen Stopp im örtlichen Brauhaus, allerdings nur um Merch und Bierdosen zu kaufen (die Fish und Chips hingen noch im Verdauungstrakt fest) hat sich mein T-Shirt-Bestand wieder um eins erhöht. Nein, kein Schwein drauf.

Zwei Dosen feinste Braukunst zum Preis eines ganzen Kastens in Deutschland

Danach noch mitten rein ins Tourigetümmel und in den Shop von dem All-4-One schon 1994 sangen „Icewear“ (by the Moon and the Stars in the sky). 🙂

Gut sortiert mit Souvenir Nippes und Klamotten. Aber irgendwie nicht mein Stil, nichts mit Schwein drauf.

Im Ernst jetzt?

Was ich irgendwie ganz cool fand, dass dieses Minishopping Center vor dem Supermarkt Mikrowellen zur Verfügung stellte. Die waren auch gut besucht.

Mal schnell was Leckeres zaubern ohne den Dispo zu belasten

Zurück Im vibrierenden Dacia sind wir dann auf den Hügel mit der bekannten kleinen Kirche gefahren.

Blick vom Friedhof, stehend

Dann stand die letzte Challenge an, wir wollten gern Papageientaucher sehen. das sind nicht etwa bunt gekleidete Froschmänner, die einem alles nachplappern, sondern diese putzigen kleinen Vögel, die am Abend in ihre kleinen Höhlen zurückkehren. Und tatsächlich konnten wir einige sehen, die aufgeregt durch die Luft flatterten und ziemlich tapsig vor oder in ihrem Loch im Felsen landeten.

J. war ganz nah dran

Mittlerweile war es allerdings so frisch geworden, das mein knuffiger Hoodie mit rosa Tiermotiv zum Einsatz kam. Perfekt.

Später begann es noch zu regnen und der Wind riss erbarmungslos an den Autotüren beim Tanken. Da ist hier immer Vorsicht geboten, da gibt sogar eine extra Versicherung dafür und jede Tür hat innen einen passenden Warnhinweis. Wir waren jedenfalls froh alsbald in unserer warmen kleinen Bude zurück zu sein.

Das erste Mal eine nasse Terasse
Soup of the day

Moment mal, da drüben steht doch noch ein Elefant im Raum! Oder ist es ein Koffer?

Nein, ist es nicht. Bevor die Tagestour begann, hab ich gefühlt mit jedem telefoniert, der irgendwas mit Gepäcklogistik am BER zu tun hat. Am Ende konnte ich die Wartemusik auswendig und erwischte mich beim mitsingen. Hat es was gebracht, wahrscheinlich nicht. Mir gab’s ein gutes Gefühl, nichts unversucht zu lassen.

Zumindest weiß ich jetzt, wer alles nicht zuständig ist, aber trotzdem zumindest Leserechte im System hat. Alle echten Menschen am Telefon waren sehr nett und ich erfuhr, das mein Koffer gefunden wurde und zwar in Bergen. Norwegen nehme ich an und nicht in einem Haufen verlorenen Koffern die sich auftürmen. Gefunden! Yeah!

Am Nachmittag kam auch die Info von Iceland Air, dass meine Urlaubstrikotage morgen früh hier am Flughafen ankommt und sie sich melden, wie es weitergeht. Mit dieser – nicht auszuhaltenden – Anspannung gehe ich jetzt mal schlafen.

Schuh Garten

Loslassen

Ich falle mit der Tür ins Haus und verzichte auf den eigentlich perfekten Spannungsbogen.

Nein, keine Nachricht von meinem Koffer.

Nichts auf der Website, nichts per Mail und keine Anrufe der Lieferdienstes. Habe hier heute früh einige Mails mit dem Support der Airline ausgetauscht, da ging’s jedoch nur darum, wohin der Koffer soll, so er denn mal gefunden würde.

Wäsche, jetzt jeden Tag?

Hatte gestern – mangels Waschmaschine und steigender Geruchsbelästigung – einfach mal mit T-Shirt und Unterbuchse geduscht und diese dann die Klamotten einmal mit Duschgel handgewaschen. Ging erstaunlich gut und riecht sogar frisch. Abenteuer pur. Eine Softshell Jacke hab ich zum Glück noch im Handgepäck gefunden.

Hatten gestern noch im örtlichen Supermarkt „Bonus“ neben Lebensmitteln auch ein weißes T-Shirt mit pinkem Schwein vorn drauf, ein paar Socken und ne Unterhose gekauft. Wechselklamotten…Luxus Urlaub.

Daheim wäre der für das Geld um einiges voller

Heute Morgen sind wir mit besten Filterkaffee und ziemlich guten Sauerteigbrot – aus dem gestrigen Einkauf – in den Tag gestartet.

Mal eben noch eine eine Liste mit dem Inhalt meines verschwunden Koffers erstellt, solange ich mich noch erinnere, was drin war. Gedanklich hab ich mich auf den E Fall vorbereitet.

Dann ging’s direkt zu einem Pferdehof. Es war reiten angesagt, auf den wirklich schönen Islandpferden. Das Wetter war spitze, Sonne und wenig Wind. Die komischen Blicke auf mein Shirt mit dem Schwein bemerkend, fühlte ich mich doch genötigt, mich zu erklären

Vom Winde verweht

Über Schotter, sanfte Hügel und Trampelpfade ging es dann zu einem See und wieder zurück. War eine sehr schöne Tour.

Du hast die Haare schön

Später starteten wir dann zu einem von den Pferdebesitzern empfohlenen Klamottenladen – ihr wisst warum. Nur um festzustellen, der Laden ist für Damen und Kinder. Also nochmal in den Bonus Markt und ein weiteres Schweine Shirt in schwarz und einen Hoodie mit pinkem – was wohl – Schwein gekauft. Läuft bei mir.

Zudem war in der von Iceland Air als kleine Entschuldigung gedachten Waschtasche auch noch ein weißes T-Shirt drin.

Nicht im Bild, da eng an meinen Körper geschmiegt: das T-Shirt

Mein Bestand aktuell:

  • 4 T-Shirts (3x mit modischem Schweinemotiv)
  • 4 paar Socken
  • 4 Unterhosen
  • 1 Hoodie schwarz mit Pink
  • 1 Hose
  • 1 Softshell Jacke
  • 1 Paar Schuhe

Nachmittag waren wir dann noch kurz am Strand in Eyrarbakki, nachdem uns Touristenbusse an einem anderen Spot verschreckt haben.

„Ich fange Rehe mit der bloßen Hand..„
Fußbild

Auf der Fahrt zurück zu unserer Blechhütte mit schickem Inneren, wurden dann noch unzählige der heimischen Huftiere gestreichelt.

Street Horse
Der Abend klang dann mit leckerem Chili aus.
Sonnenuntergang? Eher nicht, Dunkelheit fand bisher nicht statt.

Koffer Hoffer

10.976m über dem Meer, sitze ich hier im gar nicht mal so eingeklemmt in Reihe 26. Diesmal sind es nur ganze 3,5h Flug bis nach Island.

Lange Zeit zum grübeln

3,5h die ich mir gerade den Kopf zerbreche, ob mein Koffer unter mir mitfliegt oder nicht. Nein, ich bin kein Pessimist oder vermute immer das schlimmste. Es ist nur so, dass mein Handy beim Boarding klingelte und ich mit dem Handgepäck beschäftigt war, so dass meine Mailbox den Anruf abfing. Die transkribierte Nachricht klang irgendwie nach Nepp, bis ich das Band abhörte und ein einigermaßen aufgeregter Mitarbeiter des BER mir mitteilte, er habe hier einen roten Koffer (ja rot, naja dunkelrote Vaude Tasche) ohne Gepäck Label und ich solle mich am Zielflughafen sofort an der Information melden. (Meine Adresse ist am Koffer, sonst hätte er mich nicht anrufen können)

Nun, alle meine Klamotten sind da drin. Alle. Diesmal einfach nichts verteilt. Also entweder die Tasche fliegt labellos oder ich muss mich in Island erstmal komplett einkleiden. Noch ne Stunde, dann weiß ich mehr.

Angekommen

Natürlich ohne Koffer.

Schön hier und wenigstens kein Geschleppe mit dem Gepäck

Bissl frisch hier oben nur im T-Shirt. Hab am Flughafen das ganze am Service Schalter reklamiert und habe eine Fall Nummer bekommen. Leider haben die Klamottenläden hier schon zu, also nichts mit shoppen.

Bis wir unseren Dacia Duster mit 377.235 km auf der Uhr und diversen Blessuren bewegen konnten, war es auch schon spät.

Klappert, rasselt und hat uns ans Ziel gebracht

Jetzt sind wir in der Unterkunft angekommen, die Sonne scheint und die Pferde sind direkt um die Ecke. Also falls mir kalt wird… ihr habt sicher „The Revenant“ geschaut? Nee, würde ich natürlich nie machen.

Die haben’s gut. Die brauchen keine Klamotten

Nun heißt es hoffen, dass sie den Koffer finden. Bis dahin halt frieren und müffeln.

Der letzte Tag (2/2)

Wir sitzen am SeaTac Airport. Unser geliebter blauer Wagen ist zurück in seiner Familie mit Hertz. Der Flug verspätet sich um 40min, aber wir sind überall durch und nun ist warten angesagt. E. mampft gerade ein latschiges Nutella Toast neben mir (sie liebt es) und J. versucht unsere Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Mit Erfolg, wie ich gerade feststelle.

Doch kommen wir nun zunächst zur angekündigten Rückblende des letzten Tages in der Stadt gestern.

Nachdem wir easy zur Space Needle gelaufen waren, wollte E. zunächst auf den Spielplatz „Artists at Play“. Der lag leider in der prallen Sonne und war eher ein Grillplatz. Also wurde das zunächst auf später geschoben.

Das MoPOP (Museum of Pop)

Die Monorail Station war direkt auch dort und dieser Programmpunkt wollte direkt absolviert werden. Die Bahn ist ein Relikt aus dem Jahre 1962 und der damaligen Weltausstellung. Sieht man mal wieder, was man mit guter Pflege erreichen kann.

Monorail fährt ein

Am Westlake Center angekommen (das Ding rumpelt ziemlich fix los), ging’s direkt durch ein Kaufhaus zum Ausgang und schnellen Schrittes zum Pike Place Market. Der war gut besucht und ein grosses Halli Galli. Also Hände an die Wertsachen und rein ins Getümmel.

Fische und Nippes
Fish on the Rocks
Junges Gemüse

Wir haben hier ne Kleinigkeit gegessen, das war leider eher so mittelmäßig. Auch der Bubble Tea schmeckte E. nicht wirklich (Tapioka bubbles, statt Popping bubbles) und wurde trotzdem schweren Herzens halbvoll in einem der schwarzen Müllbehälter zurückgelassen. Die frisch frittierten Donuts waren allerdings lecker.

Was sich hier alles Wurst nennen darf, da schüttelt der gemeine Thüringer nur sprachlos den Kopf

Ein Besuch der Gumwall durfte auch nicht fehlen. Abertausende Kaugummis an die Wände geklebt und die mäandern immer weiter.

Ist das Kunst oder kann das weg?
Jetzt bloß nicht zu nah dran

Die ganze Tourimeile in Seattle ist gerade eine einzige Baustelle, macht aber Lust das Endergebnis irgendwann zu sehen.

Es gibt hier Kunst in jeder Ecke
Auf dem Weg zur Waterfont
Viel Holz und 50er Style Reklame
Touristen Rotations Grill (ich vermute aber mal, es hat ne Klimaanlage)

Nach einem ausgiebigen Spaziergang an der Waterfront, wählten wir einen anderen Weg zurück zur Monorail, Der gestaltete sich etwas unbehaglicher, im Dunkeln möchte man das lieber nicht haben. Aber es war hell, Security und Polizei standen aufmerksam bereit, also Augen auf und durch.

Zurück am Seattle Center wurde der Spielplatz nachgeholt, allerdings war E. zu platt, um hier noch mehr Energie abzubauen. Die Chihuli Garden and Glass Ausstellung haben wir dann auch ausgelassen, die größte Skulptur war nicht zu besichtigen und 40 Dollar pro Kopf erschienen uns woanders besser investiert.

Chihuli Eingang

Nun ging es zurück zum Kerry Park, wo unser Auto stand. Der Anstieg war nicht zu verachten und mit dicken Schweißperlen auf der Stirn, genossen wir – oben angekommen – erneut den Ausblick mit geänderten Lichtverhältnissen.

Am Abend noch schöner als morgens

Die knurrenden Mägen verlangten nach einer umfangreichen Mahlzeit und Google verriet uns eine 4.9 Sterne Pizzabude (Dantini Pizza), die gut versteckt in einer Lagerhalle mit Whiskeybrennerei beheimatet war.

16 Zoll Genuss
Letzter Tag, erstes Bier im Restaurant

Ein würdiger Abschluss für eine letzten Tag.

Der letzte Tag (1/2)

…begann damit, die Taschen zu packen und möglichst gut zu verteilen, damit die 23kg nicht überschritten werden. Beim Hinflug war ich nur knapp drunter. Morgen am Flughafen wissen wir mehr.

Zum späten Frühstück gabs dann frische Brötchen und alles was noch wegmusste.

Und dann ging’s auf in die große Stadt. Vorbei am riesigen Boeing Gelände (hier wird getestet und ausgeliefert) weit hoch in den Queen Anne District, genauer zum Kerry Park – einer Empfehlung unserer Gastgeber hier. Die Seattle Tour zu Fuß startete hier mit diesem Ausblick.

Alles drauf, was muss (Mt. Rainier im Hintergrund)

Man kann hier einfach am Straßenrand parken und da lag es nahe, unseren blauen Flitzer hier mal ausruhen zu lassen und zu Fuß zum Seattle Center (da steht die Space Needle) zu pilgern. Die Gegend schien uns sehr sicher, also los ging’s. Mit gespitzten Antennen liefen wir Block um Block bis zur Space Needle, deren Auffahrt wir allerdings schon vorher abgewählt hatten. Viel zu überlaufen und überteuert.

Spazieren im Queen Anne District
Vorbei an der Climate Pledge Arena
Direkt zum dreibeinigen Herrscher

Was wir dann noch gesehen haben… gibts im zweiten Teil, den ich dann morgen im Flugzeug verfassen werde.

Abschiedstrunk auf der Terrasse, alles muss raus

Schlaflos in Seattle?

Nein, das glauben wir nicht, denn die letzte (beim Schreiben wird es nochmal realer, es ist wirklich die letzte) Unterkunft ist erreicht und sie ist echt schön. Vor allem aber geräumig genug, um das komplette Auto erstmal reinzukippen.

Das muss dann alles spätestens morgen Abend in drei großen Koffern und vollgestopftem Handgepäck verstaut sein. Das erscheint mir gerade unmöglich, also erstmal ein Bierchen zur Entspannung und Anregung der Kreativität.

Wohnzimmer, noch schön aufgeräumt

Beim Ankommen hier war die Freude über einen Backofen groß. Mehl war noch da, also morgen frische Brötchen, juhu. Dann die große Enttäuschung, die Hefe ist alle. Das kann doch nicht war sein, soviel haben wir nun auch nicht gebacken. Und es war auch nicht wahr. Wir haben mittlerweile so viele Tüten und Kisten mit Lebensmitteln, da rutscht sowas schon mal durch. Jubel, Trubel, Heiterkeit herrschte, als wir die Hefe doch noch fanden.

Gebäckbasis

Nach der minutengenauen Ausnutzung der Checkout Zeit unseres Tinyhouses sind wir heute direkt nach Seattle „durchgeritten“. Da war sie plötzlich wieder, die Zivilisation.

Unterwegs haben wir das erste mal hier kurz bei McDonald’s angehalten, das wollte E. noch auf ihrer Todo Liste abhaken. Ein Happy Meal in den USA.

Mikro Portion Pommes zum Happy Meal, was ist denn hier los?

Danach nochmal 1-2 Besorgungen erledigt und dann in Seattle im Lincoln Park spazieren gewesen. Es war sehr angenehm dort und aufs Meer zu starren, holte nochmal die Erinnerungen an unseren Start vor 3 Wochen ins Gedächtnis. Wir haben uns mittlerweile eingegroovt, unser Herz an diese unendlichen Weiten verloren, die unbeschreibliche Natur meilenweise in uns aufgesogen, uns sogar bissl an die Hitze gewöhnt und uns in jeder Unterkunft ein bisschen zu Hause gefühlt. Was haben wir hier alles schon erlebt und was erwartet uns morgen noch in dieser schier unendlich scheinenden Stadt?

Troll aus Restholz, erschaffen vom Dänen Thomas Dambo
„Nur“ noch Stadtstrand
Stau, endlich wussten wir, was wir die ganze Zeit vermisst haben
Skyline Seattle, heute nur kurz gestreift

Wir beschlossen später den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen, Vorräte aufzubrauchen und die Abendsonne auf dem kleinen Balkon der Unterkunft zu genießen.

Balkonien in Amerkia

„Nicht schon wieder wandern“

Beschwerte sich E. heute mehrfach. Während J. und ich wehmütig die letzten – teils noch schneebedeckten – Trails im Mount Rainier National Park ablaufen, freut sich E. schon auf die Stadt und mal was anderes als Wandern.

Der Park ist aber sowas von voll, wir benötigten auch einen extra online gebuchten Zeitslot, um da reinzukommen. Irre, was hier im Sommer los ist. Ein Parkplatz am Visitor Center war nicht zu bekommen. Zum Glück waren wir recht zeitig dort und auf unseren geplanten Kurzwanderungen noch wenig Gedrängel. Auf 953 Quadratkilometern verläuft es sich dann doch auch gut.

Zurück am TinyHouse:

Ich hatte gerade in der prallen Sonne ein kleines Bier und überlegte kurz, heute mal nur Bilder sprechen zu lassen.

Eingang zum Nationalpark
Schnee bei 27 Grad
Mount Rainier – beeindruckend
Kurzer Rundgang am Box Canyon
Eine 35m tiefe Schlucht

Hier nun doch noch ein paar Worte, jetzt standesgemäß beim Feierabend-„Longboard Island Lager“ aus der Kona Brewery in Hawaii. Mit Bier haben wir nicht wirklich viele Experimente hier gemacht.

(Gerade auf dem Etikett gesehen, dass die Kona Brewery arg expandiert ist und das unser Tröpfchen wohl auch auf dem Festland gebraut wird, ist alles nicht mehr das, was es mal war)

Eben waren die Mädels hier noch im Teich baden, der direkt hinter unserem TinyHouse ist, aber da durch einen Bach getrennt, einen größeren Umweg bedingte. Außer uns ist hier auch keiner zu Fuß unterwegs, da ist man gleich als Touri erkennbar.

Community Lake

Ihr wisst ja, Gasgrills sind nicht so meins, als alter Holzkohle-Verfechter, aber wenn mal kein Backofen zur Verfügung steht, sind auch Gasgrills gern willkommen.

Frühstück ist gesichert

Grad Wanderung

Letzte Nacht haben wir tatsächlich doch irgendwann spät geschlafen. Das Klimagerät suggerierte durch den Lärm eines startenden Düsenjets, dass es diese Hitze schon in den Griff bekommt – tat es nicht. Zudem hätte bei dem Lärm auch keiner schlafen können. Also taten wir das unvermeidliche, unglaubliche und abwegigste, was wir hier bisher getan haben: Wir schalteten es aus und öffneten das einzige verfügbare Fenster. Und tatsächlich kühlte die Bude so gegen 4:00-5:00 Uhr bissl aus, um bei den ersten Sonnenstrahlen direkt wieder auf Betriebstemperatur vorzuheizen.

Wer dämmt schon den Boden über der Garage?

Es half nur eins, Flucht ins Auto und ab zum Mount St. Helens. da oben sollten es nur schattige 30° C werden.

Brückentechnologie

Am ersten Stopp, einem Aussichtspunkt mit Ausstellung erfuhren wir dann, dass das Visitor Center weiter oben schon 13:00 Uhr schließt, da sie dort keine Klimaanlage haben und es – ihr ahnt es schon – sehr heiß werden wird. Wir können mittlerweile sehr gut nachvollziehen, wie sich so ein Maiskorn fühlt, kurz bevor es zu Popcorn wird.

Open range
Hitzefrei, ab eins macht jeder seins

Oben angekommen war es aufgrund mannigfaltiger Mega Ventilatoren doch noch angenehm.

Ausblick auf den Mount St. Helens (letzter Ausbruch 1980)

Der See sah von oben so verlockend aus, das wir da unten noch mal hingefahren sind und zumindest alles unterhalb der Knie eine Abkühlung erfuhr.

Stammplatz

Auf dem Weg zurück vom Vulkan ging es wieder um die essenziellen Dinge: Einkaufen, Kaffee, Tanken und Bier. Schließlich verschlägt es uns nochmal zwei Tage in die „Wildnis“ (es gibt kein Internet 😉 , bevor dann in Seattle die volle Dosis Zivilisation auf uns einstürzen wird.

Das Café in Toledo war sehr putzig. Neben einer großen Auswahl guten Kaffees, war es Steuerbüro, Buchhaltungsservice und Versicherungsagentur in einem. Ich vermute, sie wollten einfach eine gute Kaffeemaschine im Büro und dachten dann, die Amortisation selbiger kann durch den Verkauf von Heißgetränken beschleunigt werden.

Im Bild links (nicht ganz zu sehen) werden gerade Versicherungskonditionen verhandelt
Multispezialist

Nachdem alle Flüssigkeiten nachgefüllt waren, starteten wir zum nächsten Berg/Vulkan und unserer Unterkunft kurz vor dem Park.

Nächstes TinyHouse und 2 Nächte unser zu Hause
Mmhhhh…Homemade Chili mit Reis

In the heat of the night

Gegen 19:00 Uhr sind wir in unserem neuen Quartier angekommen. Es ist ein Appartement unterm Dach über der Garage. Trotz einem mobilen und völlig überforderten Klimageräts, bei dem gerade der Schlauch nach draußen schmilzt sind es dort locker 35 Grad. Das wird kuschlig.

Ganz schick, wenn’s nur 20 Grad kälter wär

Was davor geschah:

Unser erster Städtetrip stand heute an, Portland war unser Ziel. Beim Durchgefahren fielen schon die ganzen Zelte am Straßenrand hier auf und sorgten für ein gewisses Unwohlsein.

Auch die Aussicht auf 36 Grad dämpfte die Stimmung auf einen Stadtspaziergang etwas. Am Ende war der kurz, aber ok. Wir fanden direkt (nach einer Extrarunde über den Willamette River) downtown einen Parkplatz und machten uns auf den Weg zum Pioneer Square.

Pioneer square – Portland
Es gab auch nette Backsteinbauten
Absolut nötig bei der Hitze

Apple Store und Mittag essen standen auf dem Programm. Ersteres war schnell erledigt, es war eher ein unspektakuläres Gebäude. Danach fiel die Qual der Wahl wieder auf Italienisch. Leckere Pizzas und Nudeln füllten unsere Löcher im Magen.

Links angenehm, rechts leicht entzündlich
Pizza

Im Washington Park fand dann noch ein schattiger Spaziergang durch das Arboretum statt, trotzdem lief einem die Soße aus allen Poren und man musste Gallonenweise nachfüllen.

36 Grad und es wird noch heißer

Am Ende landeten wir dann mal wieder in einem Walmart Supercenter und kühlten uns etwas ab.

Außentemperatur auf 100°, Schilde auf 20%, Verlust der strukturellen Integrität

Und dann stand seit langen mal wieder eine Fahrt auf der Interstate (wie bei uns ne Autobahn) an. Ziemlich voll und ähnlich nervig wie bei uns. Wir sagten auch Oregon heute „good bye“ und sind ab nun wieder zurück in Washington. Der Kreis schließt sich langsam und das heißt auch, die Zeit in der Wildnis ist fast vorbei.

Auf dem Highway ist die Hölle los

Nein, nicht wirklich, aber da hier vor unserem netten, kleinen Häuschen – vor welchem ich sitze und diesen Eintrag verfasse – gerade die Straße unten gut durch ein stetes Rauschen zu vernehmen ist, dachte ich mir passt das schon.

Blick durch unsere Haustür

Heute war mal ein fauler Tag, großteils der noch andauernden Hitze und einer etwas schlecht durchschlafenen Nacht geschuldet. Wir sind spät los, die Abfahrt hier die Kiesrampe runter war anspruchsvoller als gedacht. Man kann nämlich nicht in den ersten Gang schalten und runter kullern, es gibt nur noch „D“ und die Schaltwippen reagieren erst ab 6mph, eine unmöglich erreichbare Geschwindigkeit für den Platz hier vor dem Haus.

Pro-tipp: Zahnseide ist ne stabile Wäscheleine

Als das geschafft war, haben einen sehr übersichtlichen Farmers Market besucht, 3min den oben erwähnten Highway runter. Haben dort aber alles bekommen, was man für ein Abendessen benötigt. Wir haben geräucherten Lachs bei zwei wirklich sehr netten native Americans (Indianer sagt ja keiner mehr) gekauft, Microgreens (so ne Art Sprossen) und ein Sourdough Baguette. E. durfe ein Bild gestalten am Bastelstand, der auf den Märkten meist von sehr netten, älteren und plauderfreudigen Damen betreut wird.

Kleiner Markt, immer mit Liveband aus betagten Herren die sichtlich Spaß haben zu Klampfen

Danach – zigzag (insider) – weitere 5min den Highway bergabwärts gabs eine Wildwood Recreation Site im Wald. Schön schattig und einen kleinen Spaziergang wert. Es führten immer so kleinere Weg weg vom Wanderweg auf gut ausgestattete Picknickplätze, die von den Einheimischen exzessiv genutzt wurden. Unglaublich was da alles in den Wald geschleppt wird, andererseits draußen ist eben draußen.

Platz 42, noch Fragen?
Salmon River unterhalb des Mount Hood
Einblicke in einen kleinen Bach mit winzigen Lachsen

Ein Boardwalk durch eine Sumpflandschaft war auch dabei, wurde allerdings am Eingang mit der Warnung, dass hier in den letzten 6 Tagen ein Puma gesehen wurde, zu einem Abenteuer. Zumindest im Kopf, der war natürlich längst weg. Trotzdem haben wir uns unauffällig einer anderen Wandergruppe angeschlossen, damit wir nicht zu dritt „allein“ laufen.

Neben Nikes & Adidas treibt sich wohl auch ein Puma hier rum

Mittag gabs Pizza bei einem Italiener mit Holzofen. Wirklich gut, im Vergleich zu dem was hier sonst als Pizza durchgeht.

Man bekommt ein 16 Zoll Wagenrad und alle essen davon

Den späten Nachmittag verbrachten wir im Häuschen. Unser Abendessen konnte locker mit einem Schicki-Micki Restaurant mithalten.

Geräucherter Lachs an bunten Bratkartoffelscheiben mit Sonnenblumensprossen